Ob beim Friseur oder im Pub, irgendwann am Tag kann man hier in Schottland eigentlich immer hören, „Fucking Boris“. Mit der richtigen schottischen Intonation klingt das dann auch tatsächlich eindrucksvoll, anders als vielleicht mit deutschem Zungenschlag. Dass „fuck“ oder „fucking“ nun auch keine sonderlich harten Schimpfwörter sind, sondern durchaus in der Alltagssprache vorkommen, sollte man vielleicht wissen um die Ausdruck einzuordnen. Aber dennoch kann man sich sicher sein, dass in Schottland den Premierminister Boris Johnson eigentlich niemand leiden kann.
Zumindest in Sachen Rhetorik sei aber ein kurzer Blick zum englischen Chefopportunisten und Populisten erlaubt. So soll am 31.01, wenn Großbritannien nun mutmaßlich tatsächlich aus der EU Austritt, der Big Ben in London die Mitgliedschaft ausläuten. Gibt es dort gerade keine große Diskussion über die Auswirkungen des Brexit, bis Ende des Jahres ändert sich nämlich ohnehin nichts, so wurde über den Bong des Big Ben umso mehr gesprochen.
Das Problem, da die Glocke des Big Ben wegen Renovierungsarbeiten stillgelegt ist, würde ein Bong zum Brexit 500,000 Pound kosten. Auch Boris Johnson scheint das zu viel Steuergeld und deshalb hatte er im BBC Frühstücksfernsehen auch gleich einen anderen Vorschlag:
bung a bob for a Big Ben bong
Boris Johnson; Video: pic.twitter.com/0BXiu1DYkp
Das heißt soviel wie, „werft eine Münze für einen Big Ben Bong“. Slang (bob), Alliteration und Lautmalerei (bong) – ich glaube im deutschen ZDF Frühstücksfernsehen gab es sowas schon länger nicht mehr. Man kann auch toll darüber berichten, nämlich über den „Big Ben bing bang bong bung„, oder nette Cartoons zeichnen. Das es Boris Johnson kann, wusste man natürlich schon lange, etwa wenn das Mantra vor der Wahl „delay will be a desaster“ war und er „sizzling synergy“ nach dem Brexit verspricht. So gut wie am 14. Januar war er allerdings noch nie. Ich finde das lässt für die Vertragsverhandlungen zwischen EU und Großbritannien auf Großes hoffen. Schade eigentlich, dass Ihn Jean-Claude Juncker nicht mehr mit „Here comes the dictator“ in Brüssel begrüßen kann.
Nur in der Umsetzung scheint der Premier noch Hilfe zu benötigen, denn seit seinem Brainstorming vor einer Woche im Fernsehen ist nichts mehr passiert. Wenn überall Fundraisingabteilungen, Kleider für kleine Kinder kaufen oder Teller teilen, vielleicht bliebe dann ja noch ein bisschen Zeit um Boris bei der organisatorischen Hürden der Kampagne zu helfen, zumindest einen Texter braucht es ja nicht mehr. Eine Idee für ein Crowdfunding Reward gäbe es auch schon, man müsste sich nur einmal die erste Folge der Serie Black Mirror ansehen.