„Heute Nacht wäre fast ein Baum auf mein Zelt gefallen“, erzählte mir ein junger Mann und zeigte ein Handyfoto, auf dem sein kleines, in sich zusammengefallenes Zelt zu sehen ist. Ein Meter neben dem Zelt lag ein Baumstamm, der von dem starken Wind in der letzten Nacht entwurzelt worden war. „Ich gehe nicht zurück dahin. Ich will nicht den Tod. Lieber bleibe ich hier und trinke Tee.“, fuhr er mit schiefem Grinsen fort und nippte an dem süßen Chai, den ich ihm ausgeschenkt hatte.
„Wir sind. Menschen in Calais“ weiterlesen„Refugee Community Kitchen“ in Calais
„Ich war einige Jahre in Deutschland und mein Asylantrag wurde abgelehnt. Jetzt treffe ich dich hier in Frankreich und du gibst mit Essen. Das ist doch verrückt.“, sagt ein ungefähr 25-jähriger Mann in Deutsch bei einer unserer Essensausgaben zu mir. Diesen September haben wir in Calais verbracht. Wir haben viel gespült, Gemüse geschnitten, Essen verteilt und Menschen kennengelernt.
„„Refugee Community Kitchen“ in Calais“ weiterlesenSpielzeugautos, abschaffen?
Wir denken und fühlen in den Konzepten und Metaphern die wir bereits kennen. Das heißt, sprechen wir über „Argumentieren“ mit Sätzen wie „in die Parade fahren“, „im Wortgefecht“, „losschießen“ oder „Argumentationsstrategie“, dann denken wir Argumentieren als Krieg. Wir verwenden Metaphern die zum Konzept „Krieg“ gehören und prägen so unser Denken, aber auch das Handeln im Diskutieren mit anderen Menschen. Wären manche Gespräche anders ausgegangen, wenn wir mit anderen Metaphern über das Argumentieren nachdenken würden?
„Spielzeugautos, abschaffen?“ weiterlesenDie Geschichte des Pfitzaufs
Als ich mich mit meinem amerikanischen Kommilitonen auf den Weg zu einem Vortrag über Muslimische Spiritualität und palliativmedizinischer Behandlung mache, ahne ich noch nicht in welche Identitätskrise ich geraten werde. Der Vortrag, organisiert vom Institut für Heilige Musik, findet im schicksten Restaurant der Uni statt. Holzvertäfelte Wände verziert mit Gemälden ehrwürdiger Herren, eine große amerikanische Flagge und zu meiner Freude: Porzellangeschirr – jedem der einmal länger in den USA gewesen ist wird auffallen, dass dieses Restaurant wirklich „bougie“ ist.
Nun, das Essen war grandios und der Vortrag eigentlich interessant, beschäftigt hat mich aber viel mehr eine Debatte am Buffet. Bereits auf dem Weg zum Vortrag hat mir mein Kommilitone von den „Pop-overs“, die es dort gäbe vorgeschwärmt: so delicious! Am Buffet sprangen diese mir dann regelrecht ins Auge. Knuspriges, fluffiges Teiggebäck: „Das sind doch eindeutig Pfitzauf“, dachte ich mir. Ich erklärte meinem Kommilitonen freudig, dass diese Pop-overs eigentlich Pfitzauf hießen und aus Swabia (Schwaben) kämen. Sogleich beteiligten sich ein Angestellter des Instituts und ein Engländer an der Debatte. Was dann passierte, erschütterte mich zu tiefst.
„Die Geschichte des Pfitzaufs“ weiterlesenBung a bob for a big ben bong
Ob beim Friseur oder im Pub, irgendwann am Tag kann man hier in Schottland eigentlich immer hören, „Fucking Boris“. Mit der richtigen schottischen Intonation klingt das dann auch tatsächlich eindrucksvoll, anders als vielleicht mit deutschem Zungenschlag. Dass „fuck“ oder „fucking“ nun auch keine sonderlich harten Schimpfwörter sind, sondern durchaus in der Alltagssprache vorkommen, sollte man vielleicht wissen um die Ausdruck einzuordnen. Aber dennoch kann man sich sicher sein, dass in Schottland den Premierminister Boris Johnson eigentlich niemand leiden kann.
„Bung a bob for a big ben bong“ weiterlesenDer Osten trinkt besser
„Der Westen trinkt gut, der Osten trinkt besser“, ruft die Dorfjugend im Thüringer Wald und setzt den Nordhäuser Doppelkorn an. Natürlich, dazu wird Frei Wild gehört, eine Band der man sicher nicht zu Nahe tritt sie zumindest als nationalistisch zu bezeichnen. Ein paar Orte weiter ist das Schleizer Dreieck, die nach Angaben des Betreibers „älteste und beste Naturrennbahn Deutschlands“, darauf dass hier bald wieder die IDM, die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft, gastiert ist man besonders stolz. Was auffällt, die Gruppe die sich hier bei Nacht an einem kleinen See versammelt, besteht vor allem aus jungen Männern zwischen 18 und 25, zwei deutlich jüngere Mädchen sind dabei, beide noch auf der Schule. Die Meisten seien weggezogen, in die größeren Städte nebenan wie Erfurt und Jena oder gleich nach Leipzig oder Dresden. Sie sind übrig, einer hat gerade seine Ausbildung abgebrochen, ein Anderer verdient sein Geld als Wachmann. Auf Dauer sei das aber nichts, sagt er selbst. Ob ich im sommerlichen Urlaub im Thüringer Wald auch die herbstlichen AfD Wähler getroffen habe, das bleibt offen.
„Der Osten trinkt besser“ weiterlesenNiemand gewinnt! – Investitionspolitik der Yale University
Eines der wichtigsten Events im Semester ist das Football-Game Yale gegen Harvard – natürlich hat Yale gewonnen! Ein typisches Spiel beginnt mit dem „Talegating“ lange bevor die Spieler den Rasen betreten – auf den riesigen Parkplätzen treffen sich die Zuschauer*innen zum Grillen und Vorglühen. Nach einigen PBR-Bieren geht es dann Richtung Stadion. Meine Freunde und ich sind aber erst 1 Stunde nach Spielbeginn angekommen. Bei mindestens 3h Spielzeit ist das aber überhaupt nicht zu spät und in diesem Fall gab es sogar zweimal eine Verlängerung. Das Spiel verläuft ganz gewöhnlich, rote und blau Menschen rennen auf einander zu, rammen sich und versuchen den Football über die weiße Linie zu befördern. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt dann die „Half-time-show.“ Eigentlich gibt es musikalische Beiträge mit Tanz von beiden Unis und das Spiel geht weiter. Doch dieses Mal begann die eigentliche Show erst nach der Show: Die Musikant*innen haben gerade den Rasen verlassen, da rennen 150 Menschen mit Bannern auf das Feld: „This is an Emergency.“
„Niemand gewinnt! – Investitionspolitik der Yale University“ weiterlesenHallo Welt!
Was bewegt zwei junge Württemberger mit einem neuen Blog, weitere mehr oder weniger qualifizierte Darstellungen und Meinungen dem übersättigten Internet hinzuzufügen? Warum nicht einfach ein hoch reflektierter Selbstdarstellungs-Blog über das eigene fantastische Auslandsjahr auf wix.com für die Familie?
Vermutlich ist Württemberg weniger wichtig als der*die Leser*in nun glauben mag und die Antwort deutlich einsilbiger als erwartet. Seit mehreren Bierabenden kommt uns immer wieder die Idee irgendetwas veröffentlichen zu wollen. Allerdings haben wir kein Geld für eine Zeitung und noch keine konkrete Rubrik gefunden – im Grunde sind wir auf der Suche nach unserem Genre, unserer Sprache und natürlich uns selbst. Im kumbublog wird alles zu finden sein: Geschichten, Erkenntnisse aus der weiten Welt, schlaue Buchrezensionen oder einfach das, was uns gerade in den Sinn kommt. Wir freuen uns auf Feedback, Korrekturen und nervige Gegenmeinungen.
Einen fetzigen, aber unverfänglichen Namen, der gleichzeitig leicht zu merken ist findet sich nicht so schnell. Was denkst Du, wofür kumbublog steht? Genau, richtig, eine Bergregion im Himalaja! Berge sind etwas Schönes und auch Unverfängliches – Sie sind einfach da und niemand kann etwas dagegen machen. Wir mögen Berge sehr gern und haben uns daher für den Namen entschieden, auch wenn wir vermutlich selten über Berge schreiben werden. Natürlich wird Dir aufgefallen sein, dass die Khumbu-Region korrekterweise noch ein „h“ im Namen enthält. Der Blog will eben nicht mit einer Bergregion verwechselt werden und auch einfach zu merken sein.
Nun wünschen wir Dir viel Spaß beim Lesen und freuen uns, wenn Du uns Deinen Senf dazu zum Lesen schickst!
Marco und Rafael